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Autechre


Autechre - Sign

Der neueste und 12te Streich im modern designten Pappklappcover der britischen IDM Pioniere AUTECHRE, das natürlich beim Kultlabel WARP erschienen ist, erinnert mich mit seinen 11 Tracks ein bißchen an die Veröffentlichungen von "Quaristice" sowie "Oversteps" und ist vorallem für Leute die die Band neu entdecken wollen und für die bisherigen, alten Fans ein absolutes Muß, da die experimentiellen Soundlandschaften wieder etwas in Richtung "Back to the Roots" produziert wurden.

Die Gruppe, die es schon seit 1987 gibt und durch Rob Brown und Sean Booth gegründet wurde, hatte ihre letzten Platten in 2016 mit "Elseq 1- 5" und mit " NTS Sessions 1 - 4" in 2018 veröffentlicht.
Das neue Werk nun geht wieder ab und zu in Richtung außergewöhnlich, vielfältiger Klangvariabilität, das Elektro Techno Avantgarde Duo hat wieder genial kompositorische Songs erstellt und das ohne große Rücksicht auf musikalische Vorgaben oder trendige Aussichten, also ganz so wie bisher in ihrer Karriere und wer sie bis heut nicht liebt, wird sie auch mit der neuen Platte nicht lieben, so viel sei vorausgesagt.
Schon der Opener "M4Lema", der mit knapp 9 Minuten der längste Track der PLatte ist, schleicht sich mit dunklen Klangfusionen ins Gehör des geneigten Autechre Fans, teils wechseln sich minimalistische, elektronische Stilleben mit leicht rhythmisch, knarzenden Soundcapes ab, die "melodischen und epischen" Klangkosmen wie in "Metaz form8, sch.mefd2, gr4, psin AM" begeistern mit brodelnden, atmosphärischen Synthflächen und sanft pulsierenden Beats.
Die Songs brauchen ihre Zeit und auch bei mir und vielen Autechre Nerds sicherlich ein mehrfaches Durchhören, um alles zu erfassen was auf der CD passiert, der kreative Output des Duos ist wieder einmal phänomenal und mehr als beeindruckend. Zudem hatte ich mir gedacht das auf dem Gebiet dieser Soundgebilde schon längst alles gesagt wurde, nur bin ich da mit der "Sign" wahrlich eines besseren belehrt worden.

Die Brillianz der Machwerke eröffnet sich also erst nach mehrmaligen Durchläufen, dann aber packen sie dich und können sie einen begeistern, wie manche APHEX TWIN Veröffentlichungen, bei denen es mir genauso ergangen ist. Die ambienthafte Wärme, die teils in sanft fließenden Melodien mit weiträumigen Stimmungen, wie auf "Amber" produziert wurde, ist auch auf dieser PLatte einer Art "maschinenartiger, arhythmischer Klangstruktur" ( mit einigen Ausnahmen ) gewichen, äußerst kühle und abstrakte Klänge, die auseinander und zusammen fließen, bilden Soundschleifen, die mit organisch klingenden Sequenzen und metallisch filigranen Klanghallen dem Hörer entgegenwabbern. Dieses vielschichtige und komplexe Werk der 2 Soundtüftler muß man sich erstmal erarbeiten, dann aber läßt es einen die Autechre Qualität nicht mehr los, Tip für alle Elektro Heads.

Besprechung von Sven Erichsen, November 2020